Demenz vorbeugen:
Warum gutes Hören und Sehen das Gehirn schützen können
Hören und Sehen verbinden uns mit der Welt: mit Menschen, Orten und Informationen. Bleiben Hör- oder Sehprobleme unbehandelt, kann das den Alltag erschweren und die Gehirngesundheit beeinflussen. Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September veröffentlicht die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AFI) den zweiten Teil ihrer dreiteiligen Presseserie zur Demenzprävention. Im Fokus stehen Hör- und Sehschwächen – zwei oft unterschätzte Risikofaktoren für die Gehirngesundheit.
Unbehandelte Schwerhörigkeit gilt bereits seit Längerem als wichtiger beeinflussbarer Risikofaktor für Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Seit dem Bericht der Lancet Commission im Jahr 2024 rückt auch unbehandelter Sehverlust stärker in den Fokus.
Bild: Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Copyright: Sabrina Weniger
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Universitätsmedizin Halle startet große Wirksamkeitsstudie
Wer einen Hörsturz erleidet, erhält meistens eine Behandlung mit sogenannten Glukokortikoiden, umgangssprachlich auch Kortison genannt. Das ist weltweit Standard, obwohl die Wirksamkeit bislang nicht eindeutig geklärt ist. Eine neue, groß angelegte Studie der Universitätsmedizin Halle untersucht nun die Effektivität dieser Therapie genauer und prüft, inwieweit damit unerwünschte Wirkungen einhergehen.
Ein Hörsturz ist ein plötzlich auftretender Hörverlust ohne erkennbare Ursache, der sich innerhalb von 72 Stunden entwickelt und meist auf einem Ohr auftritt. Mögliche Begleiterscheinungen wie Tinnitus und Schwindel können stark variieren.
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Im Forschungsprojekt „alltagsnahe Hörgeräte-Evaluation mittels virtueller Akustik“ (AHEVA) an der Technische Hochschule Lübeck gehen Prof. Dr. Tim Jürgens und sein Team genau dieser Frage nach. Ziel ist es, Hörgeräte künftig unter Bedingungen zu testen, die dem Alltag deutlich näherkommen als klassische Verfahren.
Bisherige Untersuchungsverfahren im Labor gelten als wenig alltagsnah, und alternative Feldtests mit Hörgeräten mittels Fragebögen im Alltag sind schlecht reproduzierbar. Die Sprachtests in der Audiologie arbeiten häufig mit isolierten Wörtern oder künstlich konstruierten Sätzen. Doch wie realistisch sind solche Tests, wenn es darum geht, Gespräche in einer belebten Umgebung zu verstehen?
Bild: Im Rahmen von AHEVA wurde ein neuartiger Sprachtest entwickelt, der auf alltagsnahen Dialogen basiert. Quelle: TH Lübeck, Copyright: TH Lübeck
Weiterlesen: Wie gut verstehen wir Gespräche im echten Leben und nicht nur im Testlabor
Wie kann Lehre an Hochschulen digital barrierefrei werden? Die Plattform des Forschungsprojekts "Shuffle" bietet dazu Informationen und Tools an
Gabriel ist darauf angewiesen, das Skript einer Vorlesung frühzeitig zu erhalten. So kann er die Unterlagen während der Stunde auf seinem Laptop mit angepasster Schriftgröße verfolgen und verpasst keine Details - obwohl sein Gesichtsfeld durch einen Grünen Star stark verengt ist. Auch Hannah nutzt lieber Skripte, um Vorlesungen folgen zu können. Zusätzlich hilft ihr ein guter Blick auf das Mundbild der Dozent:innen enorm – sie lebt seit ihrer Geburt mit einer Hörbeeinträchtigung.
Bild: CI in Glaskugel, Steffi Kessels
In Film-, Fernseh-, Streaming- oder Live-Produktionen ist die Gewährleistung einer guten Sprachverständlichkeit eine der größten Herausforderungen für professionelle Tonschaffende. Vom Fraunhofer IDMT in Oldenburg entwickelte Algorithmen analysieren die Höranstrengung in Echtzeit und geben Anpassungsempfehlungen. Darüber hinaus ermöglicht der digitale Assistent »YourSound« Nutzenden von Audiogeräten und Infotainmentsystemen, den Klang spielerisch an ihre persönlichen Vorlieben anzupassen. Zusätzlich bringt das Fraunhofer IDMT AES67 auf DSP-Hardware für Audio over IP
Unklare Dialoge in einer Fernsehserie, zu laute Hintergrundmusik in Reality-TV-Sendungen oder ein Sportinterview, das von Jubelrufen des Publikums überlagert wird, können das Medienerlebnis für die Zuschauenden beeinträchtigen. Bei der Medienproduktion werden technische Messgeräte eingesetzt, um Pegel und Lautstärke zu überprüfen. Eine objektive Messung der Sprachverständlichkeit muss noch etabliert werden.
Bild: gr8effect, Pixabay
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Der interdisziplinäre Forschungsverbund SIIRI bündelt Expertise aus Medizin, Ingenieurwissenschaften und Materialforschung, um Implantate sicherer zu machen.
Der interdisziplinäre Sonderforschungsbereich/Transregio 298 SIIRI („Sicherheitsintegrierte und infektionsreaktive Implantate“) erhält von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mehr als zehn Millionen Euro in den nächsten dreieinhalb Jahren, um weiterhin Implantate von morgen zu entwickeln. Vor vier Jahren war SIIRI erstmals gefördert worden. Seitdem forschen mehr als 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), der Leibniz Universität Hannover (LUH), dem Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig, der Technischen Universität Braunschweig sowie der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover gemeinsam an der Entwicklung innovativer Strategien zur Verbesserung der Implantatsicherheit.
Bild: Professorin Meike Stiesch, Copyright: MHH/Hans & Jung, Hannover.
Ein Hörsturz sollte umgehend behandelt werden, doch was ist die bestmögliche Therapie? Forschende der Universitätsmedizin Halle werteten die Ergebnisse weltweit durchgeführter klinischer Studien aus, fanden aber keinen klaren Nachweis für eine überlegene Therapie.Ein tiefes Brummen, anhaltendes Klingeln, ein von einem leichten Schwindel begleitetes Sausen im Ohr: Was in der Medizin als Tinnitus bezeichnet wird, kann das erste Anzeichen für einen Hörsturz sein, einen akuten Hörverlust ohne erkennbare Ursache. Jedes Jahr sind allein in Deutschland rund 150.000 Menschen von einem solchen Hörsturz betroffen, der in der Fachsprache „idiopathischer plötzlicher sensorineuraler Hörverlust“ (ISSNHL) genannt wird. Meist treten die Beschwerden in einem und nur ausnahmsweise in beiden Ohren gleichzeitig auf.
Bild: Professor Dr. Stefan Plontke © Universitätsmedizin Halle
Sich auf eine Stimme zu konzentrieren, erfordert sowohl Zuhören als auch Ignorieren
Stellen Sie sich vor, Sie unterhalten sich auf einer Party und versuchen, Ihrer Freundin zuzuhören, die Ihnen von ihrem Tag erzählt, während andere Leute gleichzeitig reden, lachen und feiern – schwierig, nicht wahr? Die Herausforderung, einem Sprecher zuzuhören, wenn mehrere Personen gleichzeitig sprechen, wird als Cocktailparty-Problem bezeichnet. Forscher*innen des MPI CBS haben untersucht, was im Gehirn passiert, wenn wir versuchen, uns auf einen Sprecher zu konzentrieren und einen anderen zu ignorieren.
Bild: Die Forschenden zeichneten die Gehirnaktivität der Studienteilnehmer*innen mittels EEG auf und analysierten, wie stark sich das Gehirn mit den akustischen Mustern und den sprachlichen Mustern jeder Stimme synchronisierte. Quelle: MPI CBS, Copyright: MPI CBS
Forschende am Göttingen Campus entschlüsseln Struktur und Funktion eines zentralen Hörproteins
Göttinger Forschende haben die Struktur und Funktion von Otoferlin aufgeklärt – einem Protein, das eine entscheidende Rolle im Hörprozess spielt. Fehlt Otoferlin oder ist seine Funktion beeinträchtigt, verursacht dies eine häufige Form frühkindlicher Taubheit. Die in der Fachzeitschrift „Science Advances“ erschienen Ergebnisse markieren einen Meilenstein nach über zwei Jahrzehnten Forschung zu Otoferlin am Göttingen Campus und tragen dazu bei, erste Gentherapien zur Behandlung von Taubheit zu optimieren.
Und jetzt wundern sich die CI Träger erst einmal – Taub ist Stille und Stille ist gesund. Allerdings dauert in der folgenden Studie die Stille zumeist nur sechseinhalb Minuten.
Was bewirkt bewusste Stille in Bezug auf Wohlbefinden und Gesundheit? Die „Freiburger Stille-Studien“, initiiert von Prof. Dr. Eric Pfeifer (KH Freiburg) und Dr. Marc Wittmann (IGPP Freiburg), widmen sich seit 2015 der empirischen Erforschung der Wirkung und Wahrnehmung von Stille. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Bereits wenige Minuten Stille steigern das Wohlbefinden, fördern Entspannung und verändern die Selbst- und Zeitwahrnehmung der Teilnehmenden signifikant. In Kombination mit therapeutischen Verfahren und Natursettings zeigen sich vielfältige gesundheitsförderliche Potenziale – mit weitreichenden Implikationen für Therapie, Prävention und Forschung.
Verbesserter „Molekularer Lichtschalter“ verspricht Hilfe für blinde, taube und herzkranke Menschen
Steuerung der Zellaktivität mit Licht: Göttinger Forscher*innen des Exzellenzclusters Multiscale Bioimaging (MBExC) und des Else Kröner Fresenius Zentrums für Optogenetische Therapien der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) entwickeln lichtempfindliches Protein, das den Seh- und Hörsinn wiederherstellen und den Herzrhythmus regulieren kann. Das Besondere: Es reichen bereits sehr geringe Lichtmengen aus, um diesen „molekularen Lichtschalter“ zu bedienen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Entwicklung innovativer Therapien zur Behandlung von Blindheit, Taubheit und Herzrhythmusstörungen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Biomedical Engineering“ veröffentlicht.
Bild: ChReef (ChR that excites efficiently) wurde durch die gezielte Veränderung des genetischen Bauplans eines lichtempflindlichen Proteins (grüne Struktur; unten links) für optogenetische Therapien optimiert. Abbildung: alexey chizhik/ekfz ot
Kalziumkanal im Ohr: Wie ein winziger Fehler das Hören beeinflusst
Forschende der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und des Göttinger Exzellenzclusters „Multiscale Bioimaging“ (MBExC) zeigen, wie die minimale Veränderung eines einzelnen Ionenkanals die Empfindlichkeit der Sinneszellen im Innenohr erhöht. Bereits leise Geräusche wie ein Flüstern werden besser wahrgenommen, verursachen aber eine anhaltende Überlastung, die langfristig den Verlust des Gehörs begünstigen kann. Diese Erkenntnisse vertiefen das Verständnis dafür, wie Schallinformationen im Ohr verarbeitet werden. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Science Advances“ erschienen.
Bild: Erstautorin Dr. Nare Karagulyan, Postdoktorandin am Institut für Auditorische Neurowissenschaften der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und Mitglied des Hertha Sponer Colleges am Göttinger Exzellenzcluster „Multiscale Bioimaging" (MBExC). Copyright: UMG/Swen Pförtner
Saarländische Wissenschaftler lösen über 50 Jahre altes Rätsel der Hörforschung
Wenn wir bei einer Cocktail-Party in einer Runde stehen, in der alle durcheinanderreden, können wir trotzdem ein Gespräch mit einer Person führen. Das liegt an der Fähigkeit unseres Hörsinns, sich gezielt auf bestimmte akustische Signale zu konzentrieren und die anderen Geräusche auszublenden. Nach welcher Zeit und wie genau diese „selektive auditive Aufmerksamkeit“ die Verarbeitung entlang der Nervenbahn beeinflusst, wird seit über 50 Jahren in der Fachwelt diskutiert. Ein Team um den Saarbrücker Neurowissenschaftler Daniel Strauss hat dieses Rätsel nun gelöst – mithilfe von Tönen, die bereits die Maya an ihren Pyramiden erzeugten. Die Studie wurde im Fachjournal NeuroImage publiziert.
Grafik: © CC BY 4.0 Übersicht über die zentralen Erkenntnisse der Studie
- Ganz Ohr sein
- Verständliche Dialoge für alle
- Molekulare „Feder“ startet das Hören
- Ein Superkleber aus körpereigenem Schleim
- Prof. Dr. Pim van Dijk erhält Forschungspreis Tinnitus & Hören 2024
- 4 Millionen für innovative Oberflächen in der Medizin
- Implantat gegen Hörsturz
- Barrierefreiheit: Forschende der Uni Wuppertal arbeiten an Zertifikat für Sportstätten
- Mehr Lebensqualität bei Altersschwerhörigkeit
- Diskriminierung von Menschen mit Behinderungserfahrung durch ChatGPT und Co.:
