Portrait Dr. Seidler.pngDeutscher Hörverband (DHV): Sparpolitik darf nicht das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe kosten
Deutschland muss sparen. Doch wenn die Sparpolitik die Rechte von Menschen mit Hörbeeinträchtigung oder anderen Behinderungen beschneiden soll, ist das absolut inakzeptabel. Das betont der Deutsche Hörverband (DHV) angesichts laufender Debatten: Wenn Politiker und Politikerinnen den Eindruck vermitteln, man könne das Menschenrecht auf Teilhabe von Menschen mit Behinderung von einem Kostenfaktor abhängig machen, dann stellen sie damit Grundlagen des demokratischen Miteinanders in Frage. Im Zuge dessen verweist der DHV einmal mehr auf den Forderungskatalog an die Bundespolitik, den der Verband gemeinsam mit seinen Mitgliedern aus den Selbsthilfeverbänden Deutsche Cochlea-Implantat Gesellschaft e. V. (DCIG) und Deutscher Schwerhörigenbund e. V. (DSB) im vergangenen Jahr präsentierte.

Zudem appelliert der DHV an alle Menschen mit Hörbeeinträchtigung, sich gemeinsam mit allen Menschen mit Behinderung für ihre Rechte zu engagieren. In den kommenden Jahren soll der Deutsche Hörverband (DHV) zum gemeinsamen, starken Bundesverband der lautsprachlich kommunizierenden Menschen mit Hörbeeinträchtigung werden.
Laut UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) haben Menschen mit Hörbeeinträchtigung und alle anderen Menschen mit Behinderung das Recht auf angemessene Vorkehrungen zur gleichberechtigten Teilhabe. In Deutschland gilt die UN-BRK seit der Verabschiedung des Ratifikationsgesetzes 2009; die Menschenrechtskommission bescheinigte der Bundesrepublik stets Defizite bei der Umsetzung der Konvention: die bisherigen Schritte seien nicht ausreichend für ein hochentwickeltes Industrieland. Doch die aktuellen Debatten um mögliche Einsparungen zu Lasten von Menschen mit Behinderung stellen das verbriefte Recht auf Teilhabe mehr denn je in Frage.
„In der aktuellen politischen Diskussion werden Einschnitte erwogen, die den Alltag vieler Menschen mit Beeinträchtigen aushebeln können“, so Dr. Harald Seidler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Hörverbandes. „Da geht es etwa um die Teilhabe an Bildung, um individuelle Schulbegleitung, um Assistenzleistungen im Studium oder die Chance auf eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Auch schwerhörige Menschen wären vielfältig betroffen. Spezifische Punkte sind etwa erwogene Einsparungen bei Kommunikationshilfen für Ausbildung und Studium oder für Veranstaltungen der Selbsthilfe. Gebärden- und Schriftdolmetscher zum Beispiel sind für viele von uns Voraussetzung, um selbstbestimmt lernen, leben und sich vielfältig einbringen zu können. Ganz zu schweigen von der Versorgung mit Hörgeräten, Cochlea-Implantaten und anderen technischen Hörhilfen. Einsparungen im Gesundheitsbereich dürfen auf gar keinen Fall zu Abstrichen bei der Versorgung schwerhöriger Menschen führen.“
Forderungskatalog an die Bundespolitik: „Wir wollen mehr Teilhabe, nicht weniger!“
Bereits im Frühjahr 2025, zum Start der aktuellen Bundesregierung, hatte der DHV gemeinsam mit seinen Mitgliedern aus den Selbsthilfeverbänden DCIG und DSB einen Katalog mit Forderungen an die Bundespolitik vorgestellt. Darin enthalten sind zentrale Forderungen, die die Rechte hörgeschädigter Menschen absichern, ihnen gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen sowie eine bedarfsgerechte Gesundheits- und Hilfsmittelversorgung ermöglichen sollen. Komplettiert werden diese Forderungen demnächst durch einen weiteren Katalog mit Forderungen an die Landespolitik, der aktuell erarbeitet wird. Ein Katalog für die kommunale Ebene steht bereits zur Verfügung.
„Keine einzige unserer Forderungen steht zur Disposition; wir wollen mehr Teilhabe, nicht weniger“, so noch einmal Dr. Harald Seidler. „Keine Frage, Deutschland braucht mehr Effizienz und viel weniger Bürokratie – und das auch im sozialen Bereich und im Gesundheitswesen. Doch diese Notwendigkeit ist kein Freibrief, um den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft ihre hart erkämpften Rechte wieder wegzunehmen. Wer unsere Teilhabe zum Potenzial für Einsparungen erklärt, der ist bereit, uns ins Abseits zu schieben und Grundregeln unserer Demokratie ad acta zu legen. Soweit darf es nicht kommen. Deshalb zählen jetzt mehr denn je Solidarität und gemeinsames Engagement. Als Deutscher Hörverband appellieren wir an alle schwerhörigen Menschen: Macht euch stark für unsere gemeinsamen Forderungen! Sucht den Dialog mit der Politik! Unterstützt die Arbeit des DHV! Lasst und gemeinsam laut sein, damit wir gehört werden!“

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